Sie kommen

Vor dem Haus stehen dunkle Gestalten, ich glaube, sie haben Gießkannen dabei, ich weiß nicht, was sie damit wollen, ich muss mich auf jeden Fall still verhalten, dann merken sie nicht, dass ich da bin. Kann ich dem Reich entkommen, oder erwischen sie mich nach so vielen Jahren jetzt doch, ich bin zu schwach, um zu fliehen, vielleicht stehen sie auch schon am Hinterausgang. Einer sieht zum Fenster hoch, er tritt ins Licht der Straßenlaterne, ich sehe, dass er kein Gesicht hat, das kann natürlich nicht sein, es muss eine optische Täuschung sein. Hat er mich gesehen, ich ducke mich und warte, zähle bis hundert und gucke dann vorsichtig nach unten, er steht immer noch da, ich bin so müde, ich muss schlafen, Schlaf ist eine Waffe, das haben sie mir in der Ausbildung beigebracht, nur, wenn du ausgeschlafen bist, bist du schneller als sie. Soviele Jahre, und jetzt endet es hier in dieser Straße, in diesem Haus, in dieser kalten Wohnung in der die Farbe von den Wänden blättert. Mir ist kalt und heiß, ich zittere und schwitze, sie können mich hören, sie können mich bestimmt hören. Erinnert ihr euch an den Anfang, ihr treuen Weggefährten, an die Zeit, als wir dachten, wir könnten das Reich besiegen, wir würden durch die U-Bahnhöfe tanzen und das Licht der Wahrheit würde leuchten, als wir dachten, wir könnten dem Urteil entgehen und würden uns am Ende an den süßen Cornflakes des Siegestaumels laben? Aber am Ende siegt doch das Reich, das Regnum Eternum, seit Tausenden von Jahren durchzieht es die Geschichte der Menschheit mit seinen giftigen Tentakeln, es spaltet sich auf und vereinigt sich wieder und trampelt wie Hannibals Elefantenarmee über die Schicksale der Menschen, und so viele vor uns dachten, sie könnten die Tunnel befrieden und so viele vor uns mussten am Ende das trockene Müsli der Niederlage schlucken. Ich muss trinken, ich habe solchen Durst aber sie haben das Wasser vergiftet mit ihren Viren und ihren Medikamenten. Er zeigt mit seiner Harke auf das Nachbarhaus, vielleicht haben sie mich nicht gesehen, ich kann die Augen nicht offenhalten, ich muss schlafen, schlafen, Schlaf ist eine Waffe, ich bin zu schwach um mich zu wehren, entweder, ich wache morgen auf und sie sind weg, oder ich wache in den Gefängnissen des Underground Reich auf und meine persönliche Geschichte endet hier…

10 Antworten to “Sie kommen”

  1. Der Alles-Gläubige! Says:

    wie gesagt: Du solltest auf jeden Fall mal darüber nachdenken mal einen Roman zu schreiben. Liest sich echt gut und vielleicht kannste damit sogar Geld verdienen?

    Danke für das Blog!

  2. […] Klarseher liefert HIER eine passende Satire […]

  3. Ich wette, die Geschichte geht weiter…

  4. Lieber Klarseher, ich mache mir große Sorgen, der Verlauf der Infektion scheint bei Ihnen besonders schnell voran zu schreiten.
    Ich kann leider nicht beurteilen, ob Sie wirklich derartig in der Klemme stecken, wie Sie es hier schildern, oder ob Ihnen ihr fieberiger Verstand einen streich Spielt, aber sie müssen trinken, egal ob das Wasser vergiftet ist oder nicht! Das Risiko müssen Sie eingehen! Wenn sie die Möglichkeit haben, kochen Sie das Wasser ab, Und versuchen Sie Ihre Körpertemperatur zu senken, z.B. mit einem Fußbad in Eiswasser. Wenn Ihnen die Agenten des Underground Reich wirklich so dicht auf den Fersen sind, dann müssen Sie so schnell wie möglich ihren messerscharfen Verstand wieder erlangen.

  5. Ban Drown Says:

    Erst dachte ich, du bist ein Spinner, dann dachte ich, an deinen Sachen ist vielleicht was dran und du übertreibst halt nur ein bisschen, jetzt denke ich, du bist entweder sehr gestört oder du hast wirklich die Schweinegrippe.

  6. Typhoon Says:

    Wer ist dieses Underground Reich?
    und wer ist mit Protektorat gemeint?

  7. Markus Alber Says:

    Ês gibt ein Problem: dort ist kein Hinterausgang, den hab ich schon vor Jahren zumauern lassen, als das Prorektorat in einer geheimen Abstimmung meine Maurerlizenz kassieren wollte. Dunkle Finsternis brach aus und verdeckte meinen Werkzeugkasten, in dem sich ein arbeitsloser Pulpe eingenistet hatte… DIE Lizenz, einfach weggestimmt, ohne mit der Kelle zu kratzen. Stramme Einweggläserne säumten damals noch die Straßen und sammelten Kastanien aus dem fürchtenden Feuer für das Wildgehege des Großen Grinsch, aber auch er war nicht mehr der alte: seine Sonne hatte das System verlassen und war untergegangen.

  8. Markus Alber Says:

    Ich rief nach dem arbeitslosen Pulpen: „He, alter Pulp, wann kommst DU Deinen Herrn und Meister umarmen?“ DOch der a-Pulp war von den Zangronen auf furchtbare Weise verstümmelt worden, ihm fehlten 6 Arme und die restlichen brauchte er zur Nahrungsaufnahme. Zu allem Überfluss stürtzte genau in diesem Moment ein Quantentunnelelement auf der Achse von V2 herab und begrub meinen Werkzeugkasten, so dass ich die Haufel holden musste um ihn freizulegen. Dabei entdeckte ich, Klarseher, dass ein geheimer Gang zu Deinem Haus führt, er liegt genau auf V8 und ist an den Wänden mit Kristallen gepflastert, damit die Wunden von V8, die ihm das Prorektorat damals zufügte, nicht mehr bluten.

  9. Markus Alber Says:

    Das Prorektorat wusste damals ja selber nicht einmal, dass es uns Wunden zugefügt hatte, die nie mehr, nie mehr, verheilen würden. Ganze Ärtzekammern, tapeziert mit den Hornigsmacks der Horniesen, also ihren Häuten, begaben sich damals zu uns, um uns die Heilung der Keilung vorbeizubringen, die dank der magnetischen Adhäsion jedoch keine Wirkung zeigen sollte. War das noch unser altes Reich? War das noch die Armee des Prorektorats, die da am Waldrandinsensuppe aß? Mir wurde warm und kalt, kein schlaffer Schläfer würde mich hier herausschaffen können, die Fluten von Fluke I. hatten bereits das Land geschändet und brachen durch die Quantengitter in das Imperium ein.

  10. Markus Alber Says:

    Wie oft waren wir vor den schweren Eisentoren des Imperiums gestanden und hatten geklopft, weil wir vor Fluke warnen wollten! Auch Klarseher hatte seinerzeit hinter dem Tor gestanden und mitgepresst, nur sein schwarzer Umhang verbarg ihn anfanngs, doch Winde aus Windorn zerfledderten seinen Umhang und wir konnten sein Gesicht sehen: es war hell und klar, fast durchsichtig, transparent und fadenscheinig, – konnten wir ihm noch trauen?

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